Lüneburg: 04131 707 71 07
Kiel: 0431 888 112 12
Hamburg: 040 548 01 381

Terminvereinbarung meist noch am selben Tag!

Lüneburg: 04131 707 71 07
Kiel: 0431 888 112 12
Hamburg: 040 548 01 381

Terminvereinbarung meist noch am selben Tag!

Presseerklärung der Verteidigung im Verfahren gegen Frau V.

Frau V. wurde mit Urteil vom 30.07.2017 durch das Amtsgericht Soltau, genauer durch Frau Richterin Schülter, zu einer Geldstrafe wegen des Gebrauchs unrichtiger Gesundheitszeugnisse verurteilt. Im Nachgang beauftragte Frau V. den Unterzeichner dieser Presseerklärung, Strafverteidiger Dr. Hennig, mit der Verteidigung in der Berufungsinstanz vor dem Landgericht Lüneburg.

Hintergrund des Verfahrens ist der Vorwurf, unsere Mandantin habe ihre depressive Erkrankung nur vorgetäuscht, um so eine Krankschreibung zu erwirken und in Folge dessen ihre Tochter in Australien im „Dschungelcamp“ besuchen zu können.

Aus unserer Sicht stellt die Verurteilung von Frau V. in erster Instanz eine schwerwiegende Fehlentscheidung dar. Das Gericht hat sich unserer Auffassung nach durch eine mediale Vorverurteilung beeinflussen lassen. Anders ist nicht zu erklären, weshalb die Urteilsgründe das Wesen einer depressiven Erkrankung derart verkennen. In den Urteilsgründen werden die glaubwürdigen, ärztlichen Zeugen aber auch die glaubhafte Einlassung unser Mandantin äußerst selektiv bewertet, um eine Verurteilung zu rechtfertigen.

Unsere Mandantin litt zum Zeitpunkt der Krankschreibung unter einer depressiven Erkrankung. Einer von zwei Ärzten diagnostizierte ein Überlastungssyndrom mit depressivem Einschlag. Es wurde ein Antidepressivum verschrieben und eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ausgestellt. Eine weitere behandelnde Ärztin diagnostizierte eine depressive Erschöpfung, vergleichbar mit einem Burn-Out. Unsere Mandantin litt zum Zeitpunkt der Krankschreibung unter Schlafstörungen, Konzentrationsproblemen sowie Kopf- und Brustschmerzen. Von einem unrichtigen Gesundheitszeugnis kann vor diesem Hintergrund keine Rede sein. Die schriftlichen Urteilsgründe lassen demgegenüber eine innere Haltung der Voreingenommenheit der Richterin Schülter erkennen.

Das Krankheitsbild wird weder dadurch in Zweifel gezogen, dass unsere Mandantin vor der akuten depressiven Belastungssituation eine Dienstbefreiung erfolglos beantragte noch dadurch, dass Sie während des Krankheitszeitraumes ihre Tochter Nathalie in Australien besuchte, um diese mental bei der Teilnahme am TV-Format „Dschungel-Camp“ zu unterstützen. Es ist allgemein bekannt, dass bei einer akuten, im Arbeitsumfeld verursachten Depression ein erkrankter Patient zwar arbeitsunfähig, nicht jedoch reiseunfähig ist. Anders als bei einer rein körperlichen Erkrankung können gerade ein Wechsel der Umgebung und auch der Kontakt zur Familie heilsame Wirkung haben.

Unsere Mandantin ist eine rechtschaffene Mathematiklehrerin, die ihr ganzes Berufsleben engagiert in den Dienst ihrer Schüler gestellt hat. Sie nun im Lichte ihrer Erkrankung mit dem Vorwurf des Gebrauchs eines unrichtigen Gesundheitszeugnisses zu überziehen, ist eine beispiellose Verkennung des ernstzunehmenden Krankheitsbildes einer Depression.

Zu unserer Überzeugung ist unsere Mandantin unschuldig.

 

Der Verteidiger
Dr. Hennig
Rechtsanwalt und Strafverteidiger